Grafik und überschrift stammen aus C. Dancey´s großartigem Buch
"Compendium of Club Juggling"
(mit freundlicher Genehmigung des Autors).

Teil 2
Never Lose Count

Wolfgang Westerboer

Dieses Mal stellen wir das Grundmuster des Rechts-Links-Passings vor, den 3 - Count. Bei diesem Muster wird jede dritte Keule gepasst, gefolgt von 2 Selfs. Die Passes erfolgen abwechselnd aus der rechten und mit der linken Hand. Das macht richtig Spaß und hilft, Körperhaltung und Jonglage zu verbessern.


Passingmuster 7 (P7)
6 Keulen 3 - Count Singles
Siteswap: <3p 3 3|3p 3 3>

Ein recht einfaches Muster, daß viel Raum für Variationen lässt. Genügend Selfs um Solotricks einzubauen, genügend Passes um auf beiden Seiten Passing - Tricks zu üben.
2 Jongleure werfen 6 Keulen, A und B werfen beide gerade. Jede dritte Keule wird gepasst, Pass, Self, Self, Pass, Self, Self... Vergleicht mit der Grafik. Der weiße Teil in der Mitte zeigt das sich wiederholende Muster.
Start:
A hält 2 Keulen rechts, 1 Keule links
B hält 2 Keulen rechts, 1 Keule links
Beide beginnen gleichzeitig rechts mit dem Pass

Es wird sich am Anfang ungewohnt anfühlen, auch aus der linken Hand zu passen, daran gewöhnt man sich aber recht schnell. Die meisten werden jedoch Zeit und übung brauchen, um mit links so sicher passen zu können wie mit rechts. Es hilft, am Anfang, bewusst von innen nach außen zu passen.

 




441 Variationen

Grundlage ist ein als Solomuster bekanntes Muster, in dem nach 2 Doubles (D) eine Keule übergeben (F) wird. Probiert es mal! Beachtet dabei, dass das Muster die Seite wechselt: den ersten Durchgang beginnt die rechte Hand, den nächsten die Linke.
Start für die Muster P8 bis P11:
Wie bei Muster P7 oder
aus dem laufenden 3 - Count
Der "normale" Pass - Takt ist in den folgenden Musterbeschreibungen unterstrichen. Das sollte es erleichtern, die folgenden Muster aus P7 heraus zu werfen.

P8 6 Keulen 3 Count 441 <4 4p 1|3 3 3p >
Unter dem ankommenden Pass wirfst du einen Double, gefolgt von einer diagonalen Double als Pass zu deinem Partner, die verbleibende Keule mußt du in die andere Hand übergeben - ein sogenannter Feed (F). Du kannst das Muster auf anderen Seite gleich anschließen willst, oder ganz normal in den 3 - Count zurückkehren. Ein Zitat von Charley Dancey zu dem Feed (S. 21): "...this produced a causal arrow moving one beat to the left. It seems illogical but it acutally means: to place a club into the hand you had to empty it first."
 

 



P9 6 Keulen 3 Count 441 <4p 4 1|3 3p 3>
A wirft den Double Self nicht unter dem herankommenden Pass her, sondern gleichzeitig mit dem Pass des Partners. Direkt davor hat er eine Keule als Double Pass zu seinem Partner geworfen. Zum Schluss folgt noch der Feed. Es ist am Anfang etwas schwer, die Muster P8 und P9 auseinanderzuhalten - besonders, wenn man sie gerade jongliert.
 


P10 6 Keulen 3 Count 441 <4p 3 3|3p 4 1>
Bei dieser Variante wird die 4 4 1 Kombination auf beide Jongleure verteilt: Jongleur A passt statt des Singles einen Double. B könnte jetzt einfach eine Keule für einen Moment halten (H) und mit der anderen Hand einen Self werfen, aber das ist natürlich stinklangweilig. Statt dessen kann er einen Double werfen und eine Keule feeden. Das ist macht Spaß - man muss höllisch aufpassen, wann der andere zum richtigen Moment einen Double Pass wirft, und dann sofort Double + Feed werfen.
 

Hinweis zu P8 ­ P10:
übt die Muster P8 ­ P10 abwechselnd. Wenn beide diese Muster gleichzeitig werfen, gibt es schnell Kollisionen. Wenn ihr die Muster 8 ­ 10 durchgehend werft, könnt ihr die Passes auch als hohe Singles werfen. Die Selfs bleiben normale Singles und Doubles. (Vergl. Theorieteil aus Teil 1 des Workshops.)

Versucht doch mal, die Muster P8 bis P11 immer abwechselnd zu werfen:
P8.1: <4 4p 1 3 3 3p | 3 3 3p 4 4p 1 > P9.1: <4p 4 1 3 3p 3 | 3 3p 3 4p 4 1 >
P10.1: <4p 3 3 3p 4 1 | 3p 4 1 4p 3 3> P11.1: <4p 3 1 3 4p 3| 3 4p 3 4p 3 1>


P11 6 Keulen 3 Count 441 <4p 3 1| 3 4p 3>
Zu guter Letzt noch eine kleine Gemeinheit: A wirft wie in P9 einen Double Pass. B antwortet aber nicht "normal", also mit einem Single Pass, sondern steigt in P10 ein und wirft selbst einen Double Pass. A kann jetzt einen Single statt des Doubles werfen und danach durchgeben - das Muster ist gerettet. A könnte auch 2 Takte Pause einlegen und seine Keulen festhalten.
 




P12 7 Keulen 5 Count <3p 3 3 4 4 | 4 4 4 3p 3>

Als Abschluß diesmal haben wir ein richtig schönes Muster herausgesucht: den 5 ­ Count mit 7 Keulen. Der verursacht auch geübten Passern leichte Probleme.
Start:
A: 2 Keulen rechts, 2 links
B: 2 Keulen rechts, 1 links

Wie schon beim 3-Count, beginnt beim zweiten Durchgang die andere Hand, das Muster zu werfen. Die Schwierigkeiten bei diesem Muster sind eher nicht die Passes, obwohl ihr vermutlich am Anfang dazu tendiert, diese zu hoch zu werfen. Die Double Selfs bereiten viel größere Kopfschmerzen. Achtet darauf, dass ihr diese in etwa gleich hoch werft, da ihr ansonsten aus dem Takt kommt. Das Muster wird dann sehr unrhythmisch und schwerer zu jonglieren. Die Doubles dürfen auch nicht zu tief geworfen werden, da sonst die Kollisionsgefahr steigt.

Hier noch ein paar Variationen zum 7 Keulen 5- Count (von leicht zu schwer, in etwa):
<6p 3 3 3 3|3 3 3 5p 3> <3p 3 3 4 4|4 4 4p 3 3> <4p 3 5p 3 3|3 4p 3 3 4p>
<4p 3 4p 3 3p|3 4p 3 4p 4p> <4p 4p 4p 4p 3 | 3 3p 3p 3p 4p >

Und wenn´s euch noch immer zu gut geht, könnt ihr all diese Variationen auch am Stück hintereinander weg werfen.

 



Ein Causal Puzzle:

Lasst euch nicht vom vielen Text abschrecken. Dieser Abschnitt enthält mehr Muster als der bisherige Workshop. Ihr müsst sie euch nur selbst basteln.

Causal Diagrams wurden Anfang der 90er Jahre von Martin Frost entwickelt. Er schrieb in Jugglers World, Augabe Sommer 1994:
"Each arrow represents a throw. This causal notation not only displays the sequence of throws that each juggler has to execute in a pattern, but it shows which clubs force other clubs to be thrown."
Meinen Dank an ihn für diese Idee und für seine Zustimmung, sie im Workshop benutzen zu dürfen.

Mit Causal Diagrams ist es einfach, Jongliermuster aufzuschreiben und zu lesen.
Das Muster wird von links nach rechts gelesen. Jeder Wurf wird durch einen Pfeil dargestellt.
Die Hände werfen immer abwechselnd, rechts beginnt (für´s erste).
An der Länge des Pfeiles kann abgelesen werden, wie lange eine Keule fliegt und wie oft sie sich im Normalfall dreht. Die Drehung ist als Buchstabe notiert: S = Single, D = Double, H = Hold. (Nichts hindert euch daran, einen Single fürchterlich schnell zu drehen und als Tripple zu werfen. Sagt's nur vorher eurem Partner.)
Schaut euch doch noch mal die Grafiken im ersten Teil dieses Workshops an.

Hier ist nun das Puzzle, mit dem ihr einfache Passing ­ Muster für 2 Jongleure und 6 Keulen zusammenbasteln könnt. Das Grundmuster (grau unterlegt) besteht aus 2 Jongleuren, die jeder für sich Singles werfen. Jeder der beiden jongliert also eine Kaskade.
Wenn ihr die Puzzle ­ Steine auf den Plan legt, entsteht ganz von selbst ein Passing ­ Muster.

Wie wär's mit einem 6-Keulen 5-Count, also einem 6-Keulen-Muster, dass 5 Würfe lang ist? Oder einem 3-Count, bei dem einer nur Doubles passt und der andere nur Singles? Ach ja: und versucht doch auch mal, die Muster zu werfen. Viel Spaß beim Spielen und Jonglieren.
Werft den Plan nicht weg, wir werden ihn noch brauchen.

 

Animationen:
Die Muster dieses Workshops können wieder mit geeigneten Animationsprogrammen angesehen werden. Das Puzzle, die Muster des Workshops und Links zu Programmen findet sich unter: http://www.koelnvention.de/animation/

Verweise:
Charley Dancey, Compendium of Club Juggling, ISBN 1898591 14 8
Jugglers World, Summer 1994
Jugglers World, Fall 1997
Rechts-Links Muster ohne Ende findet ihr auf Isaac Orr´s Internet-Seite
http://surf.to/IsaacOrr
über den Zusammenhang von Mustern mit und ohne Hurries ­ leider nur auf Deutsch:
http://www.informatik.uni-leipzig.de/~joe/juggling/patterns/brainstorm.html
http://www.koelnvention.de/epw/hurriedyn.html
Die meisten Muster von Isaacs Seite habe ich inzwischen zum Archiv von JoePass hinzugefügt:

Kontakt:
Wolfgang Westerboer, Körnerstraße 102, 50823 Köln, westwolf@gmx.de, http://www.koelnvention.de



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